Kultur aktuell

Vom Futtersilo zum Rhythm and Blues >
< Jazz-Nights 2004
Mittwoch, 01. September 2004 14:31 Uhr Alter: 15 yrs
Von: Stefan Kritzer

Magier Ken Bardowicks fasziniert bei der Jazznacht

Zwischen Spielkarten, Quitscheentchen und der siebenjährigen Carolin.


Magier Ken Bardowicks beim Auftakt zur Jazznacht des Vereins ...FÜR... in der Scheune zwischen Bastheim und Geckenau.

Fotos: Stefan Kritzer

Dass er aussieht wie ein zu großer Harry Potter, mag Ken Bardowicks wahrscheinlich nicht mehr hören. Der Vergleich ist aber so augenscheinlich, das man kaum umhin kommt, den smarten Magier mit dem Buch- und Filmhelden in eine Schublade zu stecken. Was aber dennoch weit gefehlt ist. Ken Bardowicks oblag der Programmpunkt Magic and Comedy bei der diesjährigen Jazznacht des Vereins ...FÜR... in der Scheune des Hofguts Räder zwischen Bastheim und Geckenau. Ken Bardowicks, Jahrgang 1978, sieht aus wie der ideale Schwiegersohn. Brav in seinem braunen Anzug mit der braunen Krawatte, die wohl zwanzig Meter lang ist und mit allen Körperteilen verbunden zu sein scheint. Ken Bardowicks erzählt, witzelt, resumiert und zaubert. Zwar steht letzeres im Vordergrund, doch ist es die ganze Show, das ganze Programm, das diesen Ausnahmemagier so sehenswert macht.

Rund 250 Besucher wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen und erklärt bekommen, wie das rote Tuch in der Hand verschwindet, in der sich dann ein Ei befindet. Das Tuch kommt ins Ei, logisch, Ei ist aus Plastik und hat ein Loch, auch logisch. Doch warum kann Ken Bardowicks das Ei dann in ein Glas schlagen? Zauberei und Magie vom weltbesten Stand-up-Magier bei der Weltmeisterschaft 2003 in Den Haag. Scheinbar nebenbei verblüfft er sein Publikum mit dem was man abschätzig als Taschenspielertricks bezeichnen würde. Doch es sind gerade die klassischen Elemente wie Spielkarten, Quitscheentchen, Seile oder eben Eier, die Ken Bardowicks in seine Performance einbaut. Und er erzählt. Von früher, als die anderen auf Partys gegangen sind und er daheim vor dem Spiegel geübt hat. Immer wieder und immer wieder der gleiche Trick. Dann der erste Auftritt in einem Seniorenheim, dann die erste Kleinanzeige und ein Engagement bei einem Betriebsjubiläum.

Jeder hat mal klein angefangen, auch Ken Bardowicks. Und so steht er da, bastelt einen defekten Effekt an den anderen und begegnet immer wieder der imaginären Carolin. Carolin ist eine Verehrerin von ihm. Und Carolin ist gerade einmal sieben Jahre alt. Sie will einen Trick erklärt bekommen, entlarvt das Lügengebäude der Zauberei und wird zum anderen Ich, zum Alter Ego, von Ken Bardowicks. Wo liegt der tiefere Sinn der Magie verborgen, wo lassen sich mehr als fünf Rasierklingen verschlucken  und dann – mit Nadel und Faden gesichert – wieder aus dem Halse ziehen. Ken Bardowicks ist auf der Suche nach den Grenzen der Magie, nach den Grenzen des Machbaren heraus aus den Taschen seines Jacketts. Wenn Sie sich zu Hause einmal anstrengen wollen, können sie den Feuerzeugtrick von Ken Bardowicks mal üben. Das brennende Feuerzeug über den Kopf halten und dann auspusten. Mit einiger Übung sollte das jedem Stand-up-Magier daheim gelingen. Ken Bardowicks kann es. Und nicht nur dafür bekam er atemberaubenden Applaus.