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Mittwoch, 01. September 2004 14:35 Uhr Alter: 15 yrs
Von: Stefan Kritzer

Vom Futtersilo zum Rhythm and Blues

Jazznacht in der Scheune macht ihrem guten Namen wieder einmal alle Ehre


mit gefühlvollen Songs startete Sängerin Carolin Roth des Duos Pianovoce die Jazznacht des Vereins ...FÜR...

Der 65-jährige Bluessänger Tommie Harris sorgte mit dem Christian Bleiming Trio in der Scheune des Hofguts Räder mächtig für Stimmung.

Kein Problem, die Scheune bei der Jazznacht zum Kochen zu bringen hatte die Band Soul Sista mit ihrer Sängerin Michelle Amthor aus Würzburg. Fotos: Stefan Kritzer

Die Bühne links neben dem Futtersilo, die Bratwurst von den Schweinen aus dem geruchsmäßig nicht weit entfernten Stall und der Capuccino aus der Ecke, in der normalerweise der Mähdrescher steht. Bei der Jazznacht des Vereins ...FÜR... ist eben alles etwas anders. Nach einjähriger Pause war es am Samstag wieder soweit. Zum nunmehr siebten Mal räumten die Helfer des Vereins in tagelanger Arbeit die Scheune des Hofguts von Eberhard Räder leer und füllten sie mit Bühne, Technik, Bar und Sitzgelegenheiten. Längst ist die Jazznacht zu einem Event geworden, zu dem man einfach hin muss, völlig egal, welche Band da eigentlich spielt. Dass die Veranstalter aber auch in dieser Hinsicht nichts dem Zufall überlassen, spricht für das von Anfang bis Ende durchdachten Konzeptes des Vereins ...FÜR... Und diesmal stand nicht so sehr das nächste Hilfsprojekt des Vereins im Vordergrund, sondern die Party. Zu feiern gab es nämlich für alle Helfer den Einbau der Großküche der ehemaligen LVA-Klinik in Bad Neuhaus im Kinderkrankenhaus im rumänischen Temesvar im April dieses Jahres. Doch ...FÜR... ruht sich nicht auf Erfolgen aus.  Die beiden Veranstalter und Vorsitzenden von ...FÜR..., Michael Diestel und Eberhard Räder, blicken nach vorn und wollen einen Bauernhof der Caritas in der Nähe von Temesvar unterstützen. Hier sollen Straßenkinder, von denen es in Rumänien tausende gibt, eine Chance für ein besseres Leben erhalten.

Obwohl die Veranstalter bei der diesjährigen Jazznacht einen leichten Besucherrückgang verzeichnen mussten, was bestimmt auch an der undurchsichtigen Wetterlage und den kühlen Temperaturen lag, war auch diese Auflage in puncto Ambiente und Stimmung in der Scheune stimmungsmäßig kaum zu übertreffen. Unterm Scheunendach bei Kerzenlicht genoß das Publikum drei Bands und Musik bis spät in die Nacht. Den Anfang machte in diesem Jahr das Duo Pianovoce aus München. Mit eigenen Songs aus der Ecke des Popjazz sorgten Sängerin Carolin Roth und Pianist Markus Seemüller für den ersten Glanzpunkt des Abends. Mit ihrer einfühlsamen Stimme verzauberte Carolin Roth ihr Publikum mit zahlreichen Balladen.

Den klassischen Boogie-Woogie und den traditionellen Rhythm and Blues pflegt das Christian Bleiming Trio aus Münster. Mit Amandus Grund an der Gitarre, Peter Samland Zigarre rauchend am Schlagzeug und Christian Bleiming am Klavier treffen drei ausgezeichnete Musiker zusammen, die mit unglaublichen instrumentellem Können die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Da musste sich Sänger Tommie Harris schon gewaltig anstrengen, um diesem genialen Trio die notwendige Stimme zu verleihen. Der Sänger aus Alabama, der in die dortige „Jazz-Hall of Fame“ aufgenommen wurde und mittlerweile seit mehreren Jahren in Deutschland lebt, begeisterte mit wundervollen Bluessongs und ganz eigenen Interpretationen.

Wie schon in den Jazznächten der vergangenen Jahre so gelang es den Veranstaltern auch diesmal, mit zwei Bands schon einmal Glanzpunkte zu setzen, bevor spät in der Nacht bei der dritten Band die Halle endgültig tobt. So auch diesmal. Mit der Funkformation Soul Sista aus Würzburg kamen acht Musiker und brachten Songs der siebziger und achtziger Jahre mit. Rund um die Sängerin Michelle Amthor bauten die Musiker ein irres Funkgebäude auf, das schon bald die Scheune in einen Dancefloor verwandelte. Von der Technik zwar ein  ums andere Mal ein wenig zu sehr in den Hintergrund gestellt, begeisterte Michelle Amthor mit ihrer samtig-rauchigen Stimme. Zusammen mit den Sängern Nathan V. Haugabrook und Cedric Smith war für Stimmung gesorgt, und das bis weit nach Mitternacht. Und wenn jetzt wieder Ruhe eingekehrt ist auf dem Hofgut, die Bühne abgebaut ist und der Mähdrescher wieder an seinem Platz steht, dann wartet die Scheune schon wieder auf die nächste Jazznacht. Wir auch.