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Samstag, 05. April 2008 14:21 Uhr Alter: 12 yrs
Von: Stefan Kritzer

Ein Modellprojekt für ganz Europa

Der Verein ...FÜR... hat ein Netzwerk zur Resozialisierung von Obdachlosen in Rumänien geschaffen


Vier Kinder hat die Caritas Temeswar aus der Obdachlosigkeit befreit. Ihr neues Zuhause haben sie in den Häusern des Vereins ...FÜR... gefunden.

Inspektion der kürzlich fertiggestellten Häuser in Bakowa nahe Temeswar. Von links: Landwirt Ulf Kießner, der Leiter der Caritas Temeswar Herbert Grün, die Architekten Hans-Jörg Kind, Klaus Fehrenbach und Armin Röder und die Vorsitzenden des Vereins ...FÜR... Eberhard Räder und Michael Diestel. Fotos: Stefan Kritzer

Für die zwei Häuser, die der Verein ...FÜR... in Bakowa bauen ließ, hat der Rhöner Bildhauer Klaus Metz (Langenleiten) zwei metallene Kreuze geschaffen. Diese wurden von Pater Berno Rupp im Beisein von (v. links) Michael Diestel, Eberhard Räder und dem Leiter der Caritas Temeswar Herbert Grün gesegnet.

Unsleben/Bastheim/Temeswar

Ein Modellprojekt humanitärer Hilfe in der strukturschwachen Region des rumänischen Banat hat die Caritas Temeswar in Bakowa ins Leben gerufen. Seit einigen Jahren ist der Verein "Kultur ...FÜR... humanitäre Hilfe" aus Unsleben und Bastheim bei diesem Projekt mit im Boot. Und hat jetzt sogar zwei große Häuser für ehemals Obdachlose gebaut.

Planungen, Genehmigungen und letztlich auch der Bau zweier Häuser innerhalb der Jugendfarm Bakowa haben sich zwar reichlich in die Länge gezogen. Doch jetzt sind sie fertig, die ersten Wohnhäuser, die der Verein ...FÜR... initiiert hat. Vor allem hatte der Vereins für die Bereitstellung der finanziellen Mittel gesorgt, die ...FÜR... alleine nicht hätte aufbringen können. Seit einigen Jahren engagieren sich Michael Diestel und Eberhard Räder in Rumänien und haben eine Menge Netzwerke ins Leben gerufen, die einen gewaltigen Entwicklungsschub in der Realisierung des Projektes bedeutet haben. Nicht nur die Häuser stehen im Fokus der beiden Helfer, auch die Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebes liegt ihnen am Herzen. Zur Selbstversorgung der Einrichtungen der Caritas muss die Landwirtschaft auf zahlreichen Füßen stehen, was jedoch Einbußen in der Wirtschaftlichkeit bedingt. Felder und Gärten, ein Stall mit 20 Kühen und einer mit 100 Schweinen wollen bewirtschaftet werden. Hinzu kommen eine Mühle, eine Schreinerei, eine Werkstatt für die Maschinen, Speicher und Lagerhallen sowie etwas außerhalb im Dorf Bakowa eine Käserei und eine kleine feine Nudelfabrik. Eine Vielfalt die Michael Diestel, Eberhard Räder sowie dem pensionierten Landwirt Ulf Kießner sowie dem Leiter der Caritas in Temeswar Herbert Grün immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. Die Vielseitigkeit ist zwar gewollt, jedoch bedeutet sie immer noch reichlich Verlust für die ohnehin knappe Kasse der Caritas. Fachkundige Hilfe von außen ist darum umso wichtiger. Im Hausbau wie in der landwirtschaftlichen Betriebsanalyse. Den Wert der Hilfe des Vereins ...FÜR... in Bakowa haben längst weitere Institutionen erkannt. Aus Südtirol kommt Hilfe für Bakowa, die Urbis Foundation hat über den Verein Rumänienhilfe e.V. ein Solarthermieprojekt in Bakowa gefördert. Das erste seiner Art in Rumänien.

Der größte Geldbatzen kam jedoch aus Deutschland. Insgesamt 148.000 Euro hat die Kirchenstiftung Renovabis für das Projekt Bakowa zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Mittel floßen in die Landwirtschaft der ehemaligen Kolchose, ein Großteil jedoch in den Bau der Wohnhäuser. Und die sind für rumänische Verhältnisse recht modern geworden. Die beiden Architekten Armin Röder und Hans-Jörg Kind aus Leutershausen hatten die Pläne erstellt, die von Mitarbeitern der Caritas und aus Bakowa schließlich in die Tat umgesetzt wurden. Zwei Wohnhäuser mit Pultdächern mit je 150 Quadratmetern Wohnfläche sind in Holzständerbauweise entstanden. Eine große Küche findet sich in jedem Haus, angegliedert ein Gemeinschaftsraum. In den Zimmern sind jeweils zwei Personen mit ihren wenigen Habseligkeiten untergebracht. Zwei Betten, ein Schrank, ein Tisch, ein Stuhl, das reicht fürs erste, wenn man zuvor auf der Straße gelebt hat und vielleicht lange Zeit im Nachtasyl der Caritas mit Dutzenden von ebenfalls Betroffenen in einem Raum wenigstens hat schlafen dürfen. 16 Personen leben in den neuen Häuser, darunter vier Kinder. Die können jetzt in Bakowa in die Schule gehen während ihre Mütter auf der Farm mitarbeiten. Beide Mütter haben ein schweres Schicksal hinter sich, haben noch mehr Kinder und sind verarmt und verstoßen irgendwann auf der Straße gelandet. Für sie und vor allem für ihre Jüngsten ist Bakowa ein Schritt nach vorn zurück in die Gesellschaft. Das ist das Ziel, das alle jene, die an der Realisierung der Jugendfarm mithelfen und arbeiten, schaffen wollen. Der Wiedereinstieg von Obdachlosen und bald auch von Behinderten in ein geregeltes Leben mit einem ordentlichem Beruf, einer Wohnung, vielleicht auch einer funktionierenden Familie. Die Jugendfarm der Caritas Temeswar ist in ihrer Art bislang beinahe einzigartig in den ehemaligen Ostblockstaaten. Und sie gilt längst als ein Modellprojekt für ganz Europa, in puncto Wiedereingliederung von Obdachlosen in die Gesellschaft. Fördermittel der Europäischen Union floßen ebenfalls, auch in den Innenausbau der Wohnhäuser von ...FÜR.... Insgesamt 100.000 Euro für zwei Häuser, die den Stellenwert betonen, den dieses Projekt bei der EU in Brüssel genießt. Die zwei jetzt errichteten Wohnhäuser sind aber erst der Anfang in Bakowa. Weitere Häuser sollen folgen, ein Gemeinschaftshaus mit Sporteinrichtungen ebenfalls und, wenn es nach dem Initiator und Motor der Hilfe in Bakowa, Pater Berno Rupp, Superior des Salvatorianerklosters in Temeswar geht, auch ein kleines Kirchlein. Doch bis dies alles realisiert werden kann, muss noch viel Wasser die nahe Temes hinab fließen. Und die Wirtschaftlichkeit des landwirtschaftlichen Betriebes Bakowa verbessert werden.

Die Hilfe des Vereins ...FÜR... ist Bakowa jedoch sicher. Neuer Häuser gehen in Planung, dann aber mit einem vereinfachten Bausystem. Klaus Fehrenbach, Architekt aus Karlsruhe, hat ein entsprechendes Modulsystem entwickelt, das vor allem die blechernen Stahlcontainer auf Langzeitbaustellen ersetzt. Erweitert ist das System aber durchaus wohnhaustauglich. Und durch die Modulbauweise einfach vor Ort aufzubauen. Vielleicht das Projekt für die Zukunft der Menschen in Bakowa. Der Verein ...FÜR... ist auf jeden Fall mit dabei.